Armenien-Türkei: Kultur als Brückenbauerin?

In 1999 gründeten der amerikanisch-palästinensische Professor Edward Said und der argentinisch-israelische Dirigent und Klaviervirtuose Daniel Barenboim das West-Eastern Divan Orchestra. Deren Mitglieder – allesamt junge Musiker aus Ägypten, Iran, Israel, Jordanien, Libanon, Palästina und Syrien – sollten mit den Mitteln der Musik zum Abbau der politischen Spannungen im Nahen Osten beitragen. Übrigens: Johann Wolfgang von Goethes „West-östlicher Divan“ war Namensgeber.

Die Züricher Protokolle haben Hoffnungen für einen armenisch-türkischen politischen Dialog geweckt. Bekanntlich steht dieser in der Sackgasse. Die aus Istanbul gebürtige armenische Dirigentin Nivart Andreassian – sie studierte in Armenien – hat sich schon im Winter 2009 Gedanken gemacht, wie sie den Dialogprozess unterstützen kann. Heraus kam die Idee, ein armenisch-türkisches Jugendorchester zu gründen. Anadolu Kültür, eine umtriebige Organisation, nahm sich des Projektes an und Nivart Andreassian machte so die Bekanntschaft mit Cem Mansur, Gründer und Dirigent des türkischen Jugendsinfonieorchesters. Man war sich einig und ging an die Arbeit.

Cem Mansur, der berufsbedingt die Türkei bereist, suchte sich geeignete Musiker aus, ein ähnlicher Prozess lief in Armenien. So kamen zum Schluss über 60 junge Musiker zusammen, eben das armenisch-türkische Jugendsinfonieorchester.

Die jungen Leute trafen sich Anfang Juli 2010 in Istanbul, studierten die ausgewählten Stücke ein, darunter – ganz im Geiste der kulturellen Begegnung – die Violinkonzerte von Aram Chatschaturian und Ulvi Cemal Erkin, daneben Klassisches von Beethoven, Bizet und Smetana.

Insgesamt drei Auftritte in Istanbul – einer davon im prestigeträchtigen Cemal-Resit-Rey-Saal – waren der Ertrag der intensiven gemeinsamen Proben.

Istanbul war die erste Etappe des armenisch-türkischen Jugendsinfonieorchesters, im Herbst sollen Auftritte in Armenien folgen.

Eine ansehnliche Sammlung von türkischsprachigen Pressereaktionen kann man hier finden.

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