24. November 2001 – Köln


Begegnung als Herausforderung

Armenien und die Christenheit


Gemeinsame Tagung
der Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland
und der Deutsch-Armenischen Gesellschaft
in Köln
aus Anlass der Einführung des Christentums als Staatsreligion in Armenien vor 1700 Jahren

Dass die Einführung des Christentums als Staatsreligion in Armenien vor nunmehr 1700 Jahren eine sehr riskante Sache war, muss den Verantwortlichen schon damals klar gewesen sein. Die politischen Komplikationen, die Armenien damit zusätzlich zu seiner ohnehin exponierten geopolitischen Lage auf sich nahm, offenbarten sich schon im Jahr 451 bei der Schlacht von Awarajr, deren symbolische Bedeutung für Armenier bis heute ungebrochen ist. Für uns Nachgeborene liegen die Nachteile, die aus der damaligen Festlegung erwuchsen, noch viel klarer vor Augen.

Freilich ist das nur die eine Seite der Gleichung. Denn das, was wir heute „armenische Kultur“ nennen, ist so durch und durch vom Christentum geprägt worden, dass sie ohne diese epochale Wandlung unvorstellbar ist.

Es kam ein Weiteres hinzu: Die Struktur, die der neue Glaube schuf, eben die Armenische Kirche, sollte eine ungeahnte Stabilität und Kontinuität entwickeln, denen die staatlichen Strukturen nichts Vergleichbares entgegensetzen konnten. Mehr noch: Als es Jahrhunderte lang keinen armenischen Staat gab, war die Armenische Kirche so etwas wie Staatsersatz.

In den vergangenen 1700 Jahren gab es für Armenier und die Armenische Kirche reichlich Gelegenheit für Wechselbeziehungen mit Schwesterkirchen, damals nicht immer frei von Konflikten, denen die Zeit viel von der ursprünglichen Schärfe genommen hat. Den Kontakten zur Orthodoxie folgten später jene zur römisch-katholischen Kirche und im 19. Jahrhundert zu den Protestanten. Vor vierzig Jahren ist in Gestalt der Ökumene eine weitere, sehr fruchtbare Komponente hinzugekommen.

Diese Tagung wird sich, beginnend mit dem Selbstverständnis dieser 1700 Jahre alten Kirche heute, kritisch mit bestimmten Aspekten dieser Wechselbeziehungen beschäftigen, die im Grunde genommen Herausforderungen waren.
Erzbischof Karekin Bekdjian
Primas der Armenischen Kirche in Deutschland

Dr. Raffi Kantian
Vorsitzender Deutsch-Armenische Gesellschaft

Programm

10.00 Uhr Begrüßung

10.15 Uhr Komitas-Chor:
Mayr Araxi aperow

Alexander Harutyunyan
    • Leitung: Subdiakon Varuzan Margaryan

10.30 Uhr Die Armenische Kirche im 21. Jahrhundert –
Ausblicke für eine Kirche zwischen Europa und Asien
    • PD Dr. theol. habil. Haçik R. Gazerian
      Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

11.45 Uhr Kaffeepause

12.00 Uhr Die Einheit der Kirche unter besonderer Berücksichtigung der orthodox-altorientalischen Beziehungen
    • Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Theodor Nikolaou
      Ludwig-Maximilians-Universität München

13.00 Uhr Mittagspause

14.30 Uhr Die Armenier und die römisch-katholische Kirche
    • Dr. Peter Halfter
      Deutsch-Armenische Gesellschaft, Frankfurt am Main

15.30 Uhr Kaffeepause

15.45 Uhr Deutscher Protestantismus und Armenien:
Erinnerung an eine internationale Ethik der Zukunft
    • Prof. Dr. Hermann Goltz
      Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

16.45 Uhr Füreinander und miteinander –
Die Ökumene und die Armenische Kirche
    • Dr. Dagmar Heller
      Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Hannover

17.45 Uhr Komitas-Chor:
Worbes lern e mer baydzar

Edgar Hovhannesyan
    • Leitung: Subdiakon Varuzan Margaryan