4. April

Wir laden Sie ein am, Dienstag, dem 4. April 2000, 19.30 Uhr, in die Landesvertretung des Freistaats Thüringen, Mohrenstr. 64, 10117 Berlin, zum Vortrag von


Prof. Dr. Otto Luchterhandt

über das Thema

Der Nordkaukasus –
Eine für Russland verlorene Region?


Die Veranstaltung wird von Herrn Vartkes Alyanak geleitet.

Die Landesvertretung des Freistaats Thüringen befindet sich Ecke Mohrenstraße / Mauerstraße in unmittelbarer Nähe zur Wilhelmstraße, Berlin-Mitte, und ist am besten mit der U-Bahnlinie U2 (Haltestelle Mohrenstraße) zu erreichen.

Prof. Dr. Otto Luchterhandt ist Professor für Öffentliches Recht und Ostrecht an der Universität Hamburg und Leiter der Seminarabteilung für Ostrechtsforschung im Fachbereich Rechtswissenschaften. Er ist Verfasser mehrerer Bücher, darunter auch der Studie „Das Recht Berg-Karabaghs auf staatliche Unabhängigkeit aus völkerrechtlicher Sicht“, Essen 1992. Prof. Luchterhandt begleitet beratend zusammen mit dem Justizministerium des Bundeslandes Hessen die Wirtschaftsgesetzgebung der Republik Armenien. Sein umfangreicher Beitrag zu Dagestan befindet sich auf der Website der DAG.

Zum Thema: Die Republiken der Russländischen Föderation, die im Nordkaukasus liegen, teilen eine ganze Reihe von Strukturproblemen. Im Vordergrund der Wahrnehmung der internationalen Presse und der europäischen Regierungen stehen vor allem die ethnischen Probleme und insbesondere die interethnischen Konflikte. In Wirklichkeit ist die Skala der Probleme außerordentlich groß, wobei der sozioökonomische Faktor eine herausragende Bedeutung hat. Mit ihm aufs engste verbunden treten Probleme einer modernen Verwaltung und der Aufrechterhaltung infrastruktureller Einrichtungen auf, deren Existenz für die Funktionstüchtigkeit jener Republiken unverzichtbar ist. Darüber hinaus muss, da der Kaukasus insgesamt von alters her eine Einheit bildet, der Zusammenhang mit den Strukturproblemen und Konfliktlagen im Südkaukasus (Armenien, Aserbaidschan, Georgien) berücksichtigt werden. Das betrifft insbesondere den Streit um die staatliche Zugehörigkeit bzw. den Status separatistischer Gebiete (Berg-Karabach, Abchasien) und ethnisch-nationale Irredenta (Ossetien, Lesgien), ferner den Status der administrativen Grenzen und ihre Kontrolle, die Störung bzw. Unterbrechung der gesamtkaukasischen Verkehrsverbindungen (Eisenbahnen, Magistralen), Engpässe und Störungen der Energieversorgung, Abwanderung beruflich qualifizierter Teile der Bevölkerung, Aufteilung, Ausbeutung und private Aneignung von Finanzen und Wirtschaftsgütern durch regionale bzw. ethnische Klanoligarchien und Klankoalitionen, wirtschaftliche Stagnation und weiterer Niedergang.