Der 24. April in Deutschland

 

Köln, 24.04.2013 Edmond HaghnazarianEs gab auch dieses Jahr einige interessante Gedenkveranstaltungen hierzulande.

Der Armenische Kirchen- und Kulturgemeinde Berlin war es gelungen, den politisch gewichtigsten Redner für sich zu gewinnen: den Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir. 700 Teilnehmer hörten in der St. Marienkirche, Berlin, seinen und Sibylle Thelens Ausführungen, die letztere bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg zuständig für Gedenkstättenarbeit und Autorin von „Die Armenierfrage in der Türkei“.  Bemerkenswert war, dass die Organisatoren sich die junge Anais Gövez gebeten hatten, das gut komponierte Grußwort zu sprechen. Damit wurde für die Außenstehenden der überfällige Generationswechsel signalisiert.

Zwischenbemerkung: Einer Mitteilung des Diözesanbeirats entnehmen wir, dass Kirchengemeinden an insgesamt 10 Ortschaften Gedenkveranstaltungen auf die Beine gestellt haben.

Am 25. April veranstaltete die Armenische Gemeinde zu Berlin im Französischen Dom ihre Gedenkveranstaltung. Redner waren der SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan und Prof. Dr. Hajo Funke, Freie Universität Berlin.

Die traditionelle Gedenkfeier in der Frankfurter Paulskirche wurde dieses Jahr – abweichend von der bisherigen Regelung – nur vom Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD) veranstaltet.

Mit zwei namhaften Rednern konnte der ZAD in der Paulskirche aufwarten: Michael Hesemann und Prof. Marcel Niggli, Schweizer Rechtswissenschaftler mit Schwerpunkt in den Gebieten Strafrecht und Rechtsphilosophie.

Wie zu erfahren war, hat es auch in Hamburg am 24. April eine Gedenkveranstaltung gegeben mit etwa 500 Demonstranten am Gänsemarkt. Die Hamburger Morgenpost berichtete (mit Bildergalerie).

Das Rathaus von Leer war am 27. April Schauplatz für eine weitere Gedenkveranstaltung u.a. mit einer Rede von Jochen Mangelsen. Eine themengebundene Fotoausstellung lief noch bis zum 15. Mai. Die Lokalzeitung berichtete am 5. Mai.

Der Frankfurter Verein der Völkermordgegner hat auch dieses Jahr sich engagiert – gut in Erinnerung sind seine Verdienste beim Zustandekommen der Petition der Armenier für die Anerkennung des Völkermords durch den Deutschen Bundestag im Jahre 2000.

Eine von AGA mitgetragene Aktion  war am 27. April die Kranz- und Blumenniederlegung an der künftigen Ökumenischen Gedenkstätte für Genozidopfer im Osmanischen Reich. Für die Details verweisen wir auf die Webseite http://www.aga-online.org.

Und schließlich Köln. Neben einem Gedenkgottesdienst mit einem Begleitprogramm (Vortrag von Prof. Hans-Lukas Kieser) gab es eine Demonstration auf der Domplatte. Die Fotos der armenischen Intellektuellen, die 1915 zum Opfer gefallen sind, erinnerten an entsprechende Demonstrationen in Istanbul. Neu war hingegen, dass die Namen der Ermordeten laut vorgelesen wurden. Besonders das letztgenannte Element ist geeignet für eine Beteiligung von vielen Interessenten.

Originell ist die „Action 24. April“, die aus Köln stammt und auf einer eigenen Facebook-Seite läuft. In der Aufforderung dazu steht es u.a.: „Die Intention dieser ‚Action 24. April‘ ist, möglichst viele Menschen für ein Bekenntnis zur Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern zu gewinnen! Wer sich daran beteiligen möchte, bitte ich ein Foto zu posten, auf dem das Gesicht erkennbar ist und in den Handflächen die Zahlen 19 und 15 geschrieben sind.“

Die Aktion ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert: Sie ist einfach zu gestalten, die Teilnahme ist niedrigschwellig, sodass sich viele daran beteiligen können, ob Jung und Alt, ob Mann oder Frau. Sie bedient sich der ungemein populären sozialen Medien und der allgegenwärtigen Smartphones, sodass Interessenten von beliebigen Orten aus sich daran beteiligen können. Obendrein verzichtet sie ganz auf donnernde Parolen und Botschaften. Und trotz ihres minimalistischen Ansatzes transportiert sie die Botschaft, nämlich die Jahreszahl 1915.

Ganz zum Schluss steht beim Aufruf: „Auch wenn 98 Jahre vergangen sind: / Wir sind hier, / wir sind aktiv, / wir fordern die Anerkennung des Völkermordes!“

All diese Merkmale zusammen haben uns auf die Idee gebracht, eine Auswahl der Teilnehmer der „Action 24. April“ als Collage zu gestalten und zum Titelbild der aktuellen Ausgabe der ADK zu machen.

Eine andere smarte Aktion, über die wir auf dieser Webseite berichtet haben, kommt aus Frankreich und heißt „Run to Remember“.

Beiden ist gemeinsam, dass sie dezentral organisierbar und durchführbar sind und alle Merkmale des digitalen Zeitalters in sich tragen.

Ein Hinweis aus gegebenem Anlass: Die Deutsch-Armenische Gesellschaft wird auf ihrer Webseite alle Texte, soweit sie diese auf Anfrage bekommen hat, und eine Auswahl von Bildern publizieren. Das wird auch in den kommenden beiden Jahren, einschließlich 2015 also, so gehandhabt.

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