Die Minsk Gruppe nennt erstmals Ross und Reiter – Eine neue Sprachregelung beim Berg-Karabach Konflikt?

Als Anfang April 2016 die bisher heftigsten Kämpfe entlang der Kontaktlinie des Berg-Karabach-Konflikts ausbrachen, veröffentlichten die Ko-Vorsitzenden der Minsk Gruppe am 2. April 2016 eine Pressemitteilung, darin hieß es unter anderem:

The Co-Chairs of the OSCE Minsk Group (Ambassadors Igor Popov of the Russian Federation, James Warlick of the United States of America, and Pierre Andrieu of France) express grave concern over the reported large-scale ceasefire violations that are taking place along the Line of Contact in the Nagorno-Karabakh conflict zone. We strongly condemn the use of force and regret the senseless loss of life, including civilians.

Obwohl alle Hinweise auf Aserbaidschan deuteten, blieben sie ihrer jahrelangen Sprachregelung treu und verschwiegen, von wem diese Aggression ausgegangen war.

Auch wenn es Gründe für diese Zurückhaltung gab, führte das besonders in Armenien zu Frustrationen. So hat die armenische Seite, sei es der Präsident oder der Außenminister, immer wieder darauf gedrängt, von dieser Zurückhaltung abzurücken, Ross und Reiter zu nennen.

Am 17. Mai 2017 berichtete Radio Liberty  von einem weiteren Zwischenfall:

The ethnic Armenian leadership in Nagorno-Karabakh says its military has carried out “preventive activities” at the line of contact with Azerbaijani armed forces in an apparent retaliation to the guided missile strikes launched by Baku against some Armenian defense facilities earlier this week.

“In response to the enemy’s activity shown at the line of contact on May 16-17, units of the Defense Army took preventive actions, as a result of which, according to the reliable data available to corresponding services of the Defense Army, the Azerbaijani side suffered losses,” Nagorno-Karabakh’s Defense Ministry said in a press release today.

Das Video der Karabach-Armenier:   https://www.youtube.com/watch?v=XoXqTRULlFo

Ziel des aserbaidschanischen Angriffs war das Luftabwehrsystem SA-8 Gecko der Karabach-Armenier. Dieses ist die NATO-Bezeichnung für ein Flugabwehrraketen-System aus sowjetischer/russischer Produktion, das in den 1960er Jahren entwickelt und 1975 in Dienst gestellt wurde. Es dient zur Bekämpfung von Hubschraubern und Kampfflugzeugen in niedriger bis mittlerer Flughöhe und ist heute noch bei vielen Armeen im Einsatz.

Auch dieses Mal veröffentlichten die Ko-Vorsitzenden der Minsk Gruppe eine Pressemitteilung, die jedoch anders als sonst ausfiel:

According to information collected from multiple reliable sources, on 15 May, Azerbaijani armed forces fired a missile across the Line of Contact, striking military equipment. On the evening of 16 May and continuing into 17 May, Armenian armed forces retaliated with mortar fire of various calibres. These actions by both sides represent significant violations of the ceasefire and are cause for alarm.

Völlig neu ist, dass nun klar benannt wurde, dass Aserbaidschan mit der Aggression angefangen und die armenische Seite darauf reagiert hatte. Kann es sein, dass die Ko-Vorsitzenden eine neue Sprachregelung einführen wollen?

Offenbar ist diese Einschätzung des neuerlichen Vorfalls im Berg-Karabach-Konflikt nicht nur auf die Ko-Vorsitzenden beschränkt. Denn der deutsche Europaabgeordnete David McAllister, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments – er war mit einer Delegation am 25. Mai in Armenien – bestätigte bei einer Pressekonferenz, dass die EU-Kommission, die EU-Mitgliedsländer und eine große Mehrheit des Europäischen Parlaments ebenfalls dieser Ansicht seien. Video: https://www.youtube.com/watch?v=cLRrR2jILNk

Hinweis zum Foto: Minister of Foreign Affairs of the Russian Federation Sergey Lavrov (l), Secretary of State of the United States of America John Kerry (2nd c-r), and State Secretary for European Affairs of France Harlem Desir (r), representing the co-chair countries of the OSCE Minsk Group, during a meeting with President of Armenia Serzh Sargsyan (2nd l) and President of Azerbaijan Ilham Aliyev (2nd r), Vienna, 16 May 2016. (U.S. Department of State)

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