Komitas: Gedenktafel in Berlin

Der 5. September 2012 war ein denkwürdiger Tag in den kulturellen Beziehungen Deutschlands und Armeniens. An jenem Tag wurde die Gedenktafel für Komitas Vardapet, Ikone der armenischen Musik, in Berlin feierlich eingeweiht.

Zum Hintergrund: Komitas hatte von 1896 bis 1899 in Berlin an der Humboldt Universität (damals Friedrich-Wilhelms-Universität, zu Ehren ihres Gründers, des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.) studiert. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten die Professoren Richard Schmidt und Oskar Fleischer. Das Angebot der Humboldt-Universität war gerade für ihn von besonderem Interesse, konnte er doch von Musikgeschichte bis zu Musiktheorie, Instrumentation, Kompositionslehre, Sologesang, Klavier und Orchestersatz eine breite Palette von Lehrveranstaltungen besuchen, seinen Horizont erweitern.

Von Oskar Fleischer bekam Komitas Anregungen für die Entschlüsselung der armenischen Chas, der armenischen Variante der Neumen, mit der die mittelalterliche armenische Musik aufgezeichnet worden war.  Als Oskar Fleischer 1899 in Berlin die Internationale Musikgesellschaft gründete, war Komitas das erste nicht-europäische Mitglied dieser Gesellschaft. Er trat sowohl während seiner Berliner Zeit als auch danach in Berlin öffentlich auf, machte nicht nur auf die armenische, sondern auch auf die kurdische und türkische Musik aufmerksam.

Die Idee, Komitas in Berlin mit einer Gedenktafel zu ehren, ist nicht neu. Günstige Bedingungen haben den Prozess beschleunigt. Da sind zum einen die intensiver werdenden kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Armenien zu nennen. Zum anderen die Tatsache, dass der Rektor der Humboldt Universität Berlin, Prof. Olbertz, zuvor lange Jahre Kultusminister des Bundeslandes Sachsen-Anhalt war und in dieser Eigenschaft das Partnerland Armenien mehrfach besucht hat. Dann wäre das Armenische Kulturministerium zu erwähnen, das großes Interesse an der Gedenktafel bekundet hat. Die zuständige Ministerin Hasmik Poghosyan hat eigens für die Gedenktafel einen Wettbewerb ausgelobt, den die junge Designerin Naira Mendelyan für sich entscheiden konnte. Last but not least ist die Armenische Botschaft in der Person von S.E. Armen Martirosyan  zu nennen, der vor Ort für den nötigen Schub bei der Umsetzung des Plans sorgte.

Der feierlichen Einweihung ging die Segnung durch S.E. Erzbischof Karekin Bekdjian, dem P. Manfred Richter sekundierte, voraus. Ministerin Poghosyan und Prof. Olbertz weihten anschließend gemeinsam die Gedenktafel vor zahlreich erschienenen Deutschen und Armeniern ein. Ein von Prof. Drost-Abgarjan moderierter Festakt im voll besetzten Senatssaal der Humboldt Universität, eingeleitet mit der Begrüßung von Rektor Prof. Olbertz, gefolgt von der Ansprache der Kulturministerin der Republik Armenien Hasmik Poghosyan, den Festvorträgen von Dr. Regina Randhofer, Leipzig, und Prof. Mher Navoyan, Jerewan, sowie einem Konzert mit Werken von Komitas rundeten die Einweihung ein. Die überragenden Interpretationen des Klaviervirtuosen Hayk Melikyan und des „Geghard“-Ensembles trugen zum Gelingen des Festakts ganz wesentlich bei.

Die Gedenktafel ist an prominenter Stelle angebracht: direkt gegenüber dem Pergamon-Museum und in unmittelbarer Nähe jenes Hauses, in dem Hegel gewohnt hat, aber auch wenige Meter von der Stadtwohnung der Bundeskanzlerin entfernt. Ein Ort also, an dem jeden Tag unzählige Menschen vorbeigehen. Ein würdiger Ort für Komitas.

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